Die Welt ist kompliziert

Bild: Joachim Roncin

Die Welt scheint dieser Tage im Chaos zu versinken. Hysterie macht sich breit und die ersten würdelosen Politiker beginnen die Anschläge von Paris politisch zu missbrauchen.

Wenn wir in ein paar Tagen oder Wochen emotional etwas Abstand von den Anschlägen genommen haben, sollten wir uns wieder etwas besonnen. Wir sollten spätestens dann endlich mal begreifen, wo die wirklichen Ursachen dieses Chaos liegen und uns nicht weiter wichtiger nehmen als den Rest der Welt. Ich war überrascht als ich heute folgende Worte von Bastian Schweinsteiger auf Facebook las:

„Ich bin immer noch fassungslos darüber, was am Freitag passiert ist. Ich möchte allen, die von dieser Tragödie betroffen sind, mein tiefstes Mitgefühl aussprechen. Zusätzlich möchte ich allen Opfern in Beirut gedenken, die bei den Anschlägen am Tag zuvor ums Leben gekommen sind. Egal, aus welchem Teil der Erde man kommt oder welcher Religion man angehört – wir sind vereint.“ [1]

Cool, dachte ich, da hat noch jemand Augen im Kopf. Dass den meisten von uns jedoch der Rest der Welt am Arsch vorbei geht, ist nämlich auch eine Ursache der Anschläge. Hätten wir dem Weltgeschehen die vergangenen Jahre mal etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, hätten wir bemerkt, dass das was momentan passiert total vorhersehbar war. [2] Unser Wirtschaftssystem baut auf Gier, Hass, Gewalt und Egoismus auf. Hunger, Kriege, Klimawandel und Terror sind nur Symptome dieses kranken Systems. Die Ursache sind wir. Unsere Ignoranz und die Unfähigkeit uns unserer individuellen Verantwortung bewusst zu werden. Das zu begreifen wäre enorm wichtig.

Jeder von uns sollte, wenn er das nächste mal tanken geht, ein Gebet für Pariser Opfer sprechen. Warum? Die Kriege, die der Westen in Syrien oder im Irak führt, sind vor allem für für Entstehung des IS verantwortlich. [3] Grund für die Kriege sind aber nie die sogenannten Westlichen Werte oder Demokratie sondern Rohstoffe. Dass wir jeden Tag wie selbstverständlich an die Tankstelle fahren ist auch der militärischen Sicherung der Ölquellen zu „verdanken“. Ja, wenn wir tanken, haben wir alle Blut an den Händen. Das sollte niemanden überraschen. [4]

Es mag etwas weit hergeholt klingen, diese Dinge in einen Zusammenhang zu bringen, aber es wäre naiv anzunehmen, dass die Anschläge nicht mehr als nur das Ergebnis ein paar irrer Islamisten war.

Unsere Zivilisation hat diese Bezeichnung nicht verdient, wenn wir weiterhin die Grausamkeiten, die Mensch und Natur angetan werden, hinnehmen. Auf diese Weise schaufeln wir uns das eigene Grab. [5]

Setzen wir die Scheuklappen ab und schalten unser Gehirn an. Wir sollten uns weder von Facebook noch von einer medialen Hysterie vorschreiben lassen, wann wir zu trauern haben. Erinnert sich noch irgendjemand an den 3. Oktober 2015? An diesem Tag ermordeten die US-amerikanischen Streitkräfte 30 Menschen bei einem Luftangriff auf ein Krankenhaus in Afghanistan. [6] Diese 30 Toten reihen sich in eine Liste ein, die mehrere Millionen Einträge zählt. Millionen! Das Verhältnis dieser Opferzahlen zu denen von Paris, Madrid, Boston oder New York soll die Anschläge nicht relativieren, sondern schlicht die ungeschönte Realität vor Augen halten.

Mir wird schlecht, wenn ich François Hollande sagen höre, man müsse den Terror mit aller Kraft bekämpften. Tolle Idee. Eben dieser Kampf gegen den Terror hat die weltweite Zahl von Terroranschlägen seit 2001 von 1500 auf 10.000 in 2013 erhöht. [7]

Gerade weil der Terror hier und der Terror, den wir im Rest der Welt verbreiten, so stark miteinander in Verbindung stehen, sollten wir beginnen jedem Kriegs- und Hungertoten mindestens genau so viel Aufmerksamkeit zu schenken wie den Opfern von Paris, auch wenn das schwer fällt, da es in der menschlichen Natur liegt, mehr um jene zu trauern, die neben uns wohnen.

Wir sind entsetzt, traurig und zornig. Und wenn wir überhaupt einen positiven Gedanken in diesen Tagen fassen, dann sollte es der sein, dass die Chance besteht die Gewalt, den Hass zu verstehen, unsere Empörung gegen die Verantwortlichen für die Gewaltspirale auf der Welt zu richten und uns unsere Eigenverantwortung einzugestehen.

„Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.“ – Papst Gregor I (7. Jh)

Weiterführende Quellen:

[1]https://www.facebook.com/BastianSchweinsteiger/photos/a.10150122723244723.290061.7991759722/10153723166019723/?type=3
[2] Bundesinnenminister vs. „Schlaumeier“: Konnte doch keiner/jeder ahnen! https://www.youtube.com/watch?v=hay_4C2dawA
[3] Ein Bayer in der US-Botschaft https://www.youtube.com/watch?v=YVbOnPIJWXQ
[4] Der Ölmensch https://www.youtube.com/watch?v=4yoaEzZ_0_M
[5] Die Zerstörung der Ökosphäre (Artikel vom April 2015)http://mariuskaffine.de/2015/04/21/sorry/
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Bombardierung_der_Klinik_von_%C3%84rzte_ohne_Grenzen_in_Kundus
[7] Zahl der Terroranschläge seit 2001 http://www.spiegel.de/politik/ausland/terrorismus-global-terror-index-untersucht-zunahme-von-gewalt-a-1003932.html

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