15 Jahre nach 9/11 – Die Skepsis lebt weiter

Fünfzehn Jahre sind die Bilder der einstürzenden Twintowers nun alt. Fünfzehn Jahre tobt auch der Krieg gegen den Terror. Und fünfzehn Jahre alt ist auch die Diskussion über etliche Theorien, was sich am 11. September wirklich zugetragen haben soll. Jetzt wurde die Diskussion durch eine brisante Veröffentlichung wieder neu entfacht.

Veröffentlichung in Physik-Zeitschrift

Vor Kurzem veröffentlichte Europhysicsnews (EPN), eine Zeitschrift der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, einen Artikel, der die Ursache für den Zusammensturz der drei Gebäude des WTC in einer kontrollierten Sprengung sieht. Neu ist diese These nicht. Interessant ist die Veröffentlichung aber insofern, dass sie erstmals in einem seriösen wissenschaftlichen Magazin behandelt wird.

Was auf den 11. September folgte

Beginnen wir ganz von vorn. Am 20. September 2001, 9 Tage nachdem bei den Anschlägen rund 3000 Menschen starben, hielt der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, eine Rede vor dem Kongress, indem er als Reaktion auf die Anschläge den Krieg gegen den Terror erklärte: „Am 11. September begingen Feinde der Freiheit einen kriegerischen Akt gegen unser Land. […] Unser Krieg gegen den Terror beginnt bei Al-Qaida. Er wird jedoch nicht enden, bevor jede globale Terrororganisation gefunden, gestoppt und besiegt wurde.“ Nur zwei Wochen nach dieser Rede ließ Bush seinen Worten Taten folgen. Die Intervention in Afghanistan war der Beginn einer Reihe von Kriegen, die bis heute anhalten. Das Ergebnis: mehrere Millionen Tote, vor allem Zivilisten und eine massive Zunahme von Terroranschlägen.
Die Flüchtlingskrise der letzten Jahre ist ein weiteres Resultat dieser Kriege. Seit einigen Monaten erleben wir, wie die Flüchtlingskrise auch innenpolitisch Auswirkungen hat. Sie ist in Deutschland zum wahlentscheidenden Thema geworden.

Alles, was nach 9/11 geschah, hat also eine so weitreichende Bedeutung, dass es gerechtfertigt und notwendig ist, einen kritischen Blick auf den Auslöser des Ganzen zu werfen.

Der mediale Umgang mit 9/11 heute

Die Veröffentlichung des oben genannten Artikels hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. So brachten u.a. der Stern und die Welt einen Bericht dazu. Beide weisen dabei auf einen dem eigentlichen Text der Arbeit vorangestellten Absatz hin. Dieser besagt, dass der Artikel anders als gewöhnliche wissenschaftliche Artikel, teils spekulativ sei. Zu lesen war in diesem Absatz auch, – und das bleibt in beiden Berichten unerwähnt – dass der Artikel „ausreichend technisch“ ist, um veröffentlicht werden zu können.

Der Stern unterstellte den Autoren des Artikels, indirekt die Verschwörungstheorie zu implizieren, die besagt, dass US-Geheimdienste selbst hinter den Anschlägen steckten. Die Berichte kommen auch nicht drum herum, den federführenden Autor der Unglaubwürdigkeit zu bezichtigen. So sei der Physikprofessor Steven Jones wegen umstrittener Thesen zu 9/11 von der Universität in den Ruhestand versetzt worden. Außerdem sei er Mormone, der über die Wiederauferstehung Jesu forschte.

Der Artikel der Europhysicsnews ist gerade einmal vier Seiten lang. Er ist voll von Fakten und logisch durchdachten Analysen. Ich frage mich, warum es ein Journalist bei der Welt oder dem Stern nicht schafft, auf diese Details einzugehen. Stattdessen sucht man Informationen zu den Autoren, die sie in ein schlechtes Licht rücken. Ein Professor, der wegen seiner Ansichten zu 9/11 entlassen wurde und der Sekte der Mormonen angehört, muss doch verrückt und unzurechnungsfähig sein. Das ist der Eindruck, den man beim Lesen eines solchen Berichtes bekommen könnte. Aber was hat die Religion eines Physikers damit zu tun, wie gut er physikalische Sachverhalte beurteilen kann?

Wie wird die These von Europhysicsnews begründet?

Letztendlich haben mich die Berichte über den Artikel nicht davon abgehalten, ihn zu lesen. Es war vielmehr eine Motivation es besser zu machen. Hier also eine kleine Zusammenfassung, wie die Autoren im Fall des WTC7 zu ihrer These gelangt sind:

Das WTC7 ist das dritte – neben den Twin Towers – eingestürzte Gebäude in New York. Der Artikel stellt die Analyse eines Videos, das den Einsturz zeigt, sowie allgemeine Annahmen über die Struktur von Stahlbetongebäuden dem Computermodell des NIST (National Institute of Standards and Technology) gegenüber.

Messungen der Geschwindigkeit des Einsturzes von WTC7 ergaben, dass das Gebäude für eine Zeit von 2,25 Sekunden über acht Stockwerke im freien Fall zusammenfiel. Das Gebäude fiel symmetrisch in seinen eigenen Grundriss. Zu sehen ist auch, dass das Gebäude beim Einsturz größtenteils in seine Bestandteile zerlegt oder pulverisiert wurde.

Die Erklärung des NIST ist die, dass durch herabfallende Trümmerteile, ein Feuer entstand, das einen tragenden Stahlträger schwächte, wodurch erst die innere Struktur und schließlich die äußere Struktur des Gebäudes einstürzte. Dabei wölbten sich die äußeren Stahlträger nach außen.

Die Autoren halten das Computermodell des NIST allerdings für unwissenschaftlich, da es wesentliche Variablen außer Acht lässt oder gar nicht in die Berechnung mit einbezieht. Zum Beispiel lässt das Computermodell die Freifallgeschwindigkeit außer Acht und funktioniert auch nur, mit den nach außen sich wölbenden Stahlträger, die im Video jedoch nicht erkennbar sind.

Eine unabhängige Überprüfung des Computermodells kann nicht geleistet werden, da das NIST einen Großteil der Modelldaten nicht herausgibt, um „die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden.“

Gerade dieser Aspekt ist eine Erklärung dafür, warum der Artikel in einem ihm vorangestellten Absatz als teils spekulativ beschrieben wird. Denn wie soll man eine Untersuchung dieses Ausmaßes wissenschaftlich vollständig abwickeln, wenn dazu jede Menge Daten fehlen? Die Spekulation bezieht sich nicht darauf, ob die Gebäude gesprengt wurden, sondern wie.

Manche sehen es als Verhöhnung der Opfer des Anschlags, wenn man die offizielle Version, also die Erklärung des NIST, anzweifelt. Doch wenn ein so brisantes Ereignis wie 9/11 mit so immensen Auswirkungen mit einem Untersuchungsbericht erklärt wird, der voller Logikfehler ist, dann kann der menschliche Verstand nun einmal nicht anders, als dies zu hinterfragen. Dies nicht zu tun, wäre vielmehr eine Verhöhnung der Millionen von Kriegsopfern der letzten fünfzehn Jahre.

„Never Forget“ sind die beiden Worte die im Zusammenhang mit 9/11 oft fallen. Für mich heißt das aber auch, niemals zu vergessen, dass an jenem Tag Dinge passierten, für die bis heute eine Erklärung aussteht.

Quellen:
http://bit.ly/2bKa9hI (Artikel der Europhysicsnews)
http://cnn.it/1tw4r5W (Rede von George W. Bush am 20.09.2001)
http://bit.ly/2cz2YZ4 (Zunahme von Terror und Gewalt seit 9/11)
http://bit.ly/2cC8c5b (Opferzahlen des Krieges gegen den Terror)
https://youtu.be/AdC24fA0EBg (Mann, Sieber! im ZDF: Ursache und Folge des Krieges gegen den Terror)
https://youtu.be/nqbUkThGlCo (Video des Zusammenbruchs des WTC7)
http://bit.ly/2ciAcNf (Welt Artikel)
http://bit.ly/2cLgBUp (Sternartikel)

2 Kommentare

  1. Auch von mir ein Lob für den Artikel. Selten findet man Äußerungen zum Thema, die nicht mit der ein oder anderen falschen Behauptung daher kommen. Eine solche konnte ich hier erfreulicherweise nicht finden.
    Natürlich könnte man noch vieles ergänzen und erst mal damit angefangen kein Ende finden. Ein paar wenige Ergänzungen möchte ich mir dennoch erlauben:
    1. Über die Freifallphase wollte das NIST ursprünglich hinwegtäuschen, indem es diese nicht erwähnte und stattdessen darauf hinwies, dass die gesamte Einsturzdauer weit über der Zeit lag die es im freien Fall gebraucht hätte. Dies war jedenfalls in einem der Zwischenberichte noch der Fall. Es war ein Mathematiklehrer namens David Chandler der das NIST auf die Freifallphase ansprach die er selbst ermittelt hatte und so „zwang“ er das NIST die Freifallphase im Abschlussbericht zu erwähnen. Auf eine Erklärung für die Freifallphase verzichtete das NIST jedoch lieber.
    Worauf ich aber eigentlich hinweisen möchte:
    Laut Chandler, der die Freifallphase wie gesagt eigenständig ermittelt hatte, beginnt die Freifallphase früher als es das NIST behauptet. Laut Chandler gab es nur eine kürzere bzw gar keine langsamere Einsturzphase vor dem freien Fall.
    Während Chandler seine Messungen für jedermann frei zugänglich und nachprüfbar machte, glänzt das NIST auch in diesem Punkt damit, die Nachprüfbarkeit zu verweigern. Fest steht jedoch, dass das NIST eine für die Messung ungeeignetere Perspektive wählte als Chandler, denn aus der Perspektive die das NIST wählte, wirkte eine der tatsächlichen Abwärtsbewegung vorausgegangene horizontale Bewegung des Gebäudes wie eine Abwärtsbewegung, während Chandlers Perspektive deutlich macht, dass es eben keine Abwärtsbewegung war sondern eine horizontale.
    2. Erwähnenswert wäre vielleicht auch, dass dem NIST für die Untersuchung der Einsturzursache des WTC7 nach eigenen Angaben kein einziges Trümmerteil dieses Gebäudes zur Verfügung stand. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…
    3. Was die Zwillingstürme angeht möchte ich noch darauf hinweisen, dass das NIST seinem Auftrag eine Einsturzerklärung vorzustellen gar nicht nachgekommen ist – jedenfalls nicht wenn man die Einstürze in ihrer Gesamtheit meint. Das NIST hat lediglich eine EinsturzAUSLÖSERhypothese postuliert. Auf die Frage, warum im Falle des Südturms fast 80 völlig unbeschädigte nicht brennende Etagen komplett einstürzten und im Falle des Nordturms fast 90, geht das NIST überhaupt nicht ein. Sie behaupten einfach plump dies sei „inevitable“ gewesen. Eine Behauptung die wissenschaftlich kaum haltbar ist, wenn man beispielsweise gescheiterte Gebäudesprengungen betrachtet bei denen der obere, stürzende Gebäudeblock nicht nur 10-20% der Gebäudemasse beträgt, sondern oft 50-90% – und der bereits begonnene Einsturz dennoch endet, lange bevor ein Kompletteinsturz erreicht ist.

    Jedenfalls Danke für das Daran-Erinnern, dass das Thema 9/11 nach wie vor aktuell und hinterfragenswert ist!

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: