Bist du eigentlich für Trump oder für Clinton?

Foto: Rich Girard (CC BY-SA 2.0)

Diese Frage ist beim näheren Hinsehen ziemlich suggestiv, da sie die Möglichkeiten, über den Irrsinn zu diskutieren, den wir in den USA derzeit beobachten können, enorm einschränkt. Denn die Frage lautet schon lange nicht mehr „welche Politik wünschst du dir?“. Jetzt geht es nur nur noch darum, sich für das eine oder für das andere zu entscheiden. Manch einer nennt es die Wahl zwischen Pest und Cholera (Wobei, dann entscheide ich mich doch lieber für die Cholera – so einen Durchfall bekommst du weg). Aber Spaß beiseite.

Man muss sich das einmal vorstellen: Clinton und Trump sind die beiden unbeliebtesten Politiker des Landes. Und nun, wo man sich medial komplett isolieren müsste, um nicht zu bemerken, dass beide Kandidaten mehr als ungeeignet für das angestrebte Amt sind, da bleibt nur noch die Diskussion darüber, wer von den beiden dann jetzt weniger schlimm ist.

Gut, es gibt natürlich auch die Millionen von Menschen, die das ganz anders sehen und sich voll und ganz hinter einen der Kandidaten stellen. Man schaue sich nur die Wahlkampfveranstaltungen an, die im Vergleich zu Deutschland eher wie Rockkonzerte mit kreischenden Fans wirken. Egal wie blöd, heuchlerisch, beleidigend oder falsch die Aussagen Clintons und Trumps auch sein mögen. Ihre Fans bejubeln sie dafür frenetisch und skandieren im nächsten Moment Wutparolen dem anderen Lager entgegen. „Lock her up, lock her up!“ Wer „House of Cards“ gesehen hat, weiß um die Absurdität dieser Veranstaltungen. Während die Menge weiter jubelt, begibt sich der Kandidat wieder hinter die Bühne, wo er seine Maske ablegt, auf der entweder „Make America Great Again!“ oder „Stronger Together!“ geschrieben steht. Nun gilt wieder nur eines: Die Ellenbogen mit allen Mitteln möglichst weit ausfahren zur Verwirklichung des zentralen Ziels: Macht.

Aber um dieses Theater geht es mir gar nicht. Denn jeder Versuch dieser Art von Politikverdrossenheit irgendwie konstruktiv zu begegnen, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ein Trump Anhänger versteht einfach nicht, dass es verkehrt ist, einen Rassisten zu wählen. Selbst ein Deutscher könnte das nicht. Und ein Clinton Wähler wird auch kaum wahrhaben wollen, dass es verkehrt ist, jemanden zu wählen, der kein Problem damit hat, mit Russland eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren.

Diese Menschen sind für Kritik überhaupt nicht mehr offen. Mir geht es viel mehr um jene, die ihre Wahlentscheidung ernsthaft nach dem „Pest oder Cholera“-Prinzip treffen. Leute, die diese Art von Demokratie offenbar so cool finden, dass Sie Zeit dafür verschwenden, Argumente dafür zu sammeln, wie schlimm der eine Kandidat ist, um daraus zu schlussfolgern, den anderen zu wählen. Ich kann dieses Verhalten eigentlich vollkommen nachvollziehen. Denn jeder, dem sein Land nicht völlig am Arsch vorbei geht und der Präsidentschaftswahlen grundsätzlich für eine sinnvolle Sache hält, hat in dieser Situation nicht sonderlich viele Optionen. An der Irrationalität dieser Argumentation ändert dies aber nichts.

Für mich lautet die entscheidende Frage: Welche gesellschaftlichen Umstände haben zu der heutigen Situation geführt? Wie kann es sein, dass es die Menschen nicht wütend macht, dass sie sich zwischen Pest und Cholera zu entscheiden haben? Oder, noch schlimmer, dass sie die Pest plötzlich für was ganz Tolles halten und sagen „hey, da steck ich mich gleich mal an!“

Wie kam es soweit, dass heute zwei völlig indiskutable Kandidaten gegeneinander antreten?

Die Umstände der US Wahl sind ein Symptom einer maroden Gesellschaft. Ein Produkt von Politikverdrossenheit, Konsumwahn und ungerechter wirtschaftlicher Verhältnisse. Diese Umstände gilt es zu diskutieren, und nicht darüber welcher Kandidat das Land „greater“ oder „stronger“ macht. Keine Vorstellung erscheint mir ferner, als dass ein Präsident, der sein Amt einer verkommenen Gesellschaft zu verdanken hat, beabsichtigt, diese Verhältnisse umzukehren.

Mich erinnert das ganze an den Film „Idiocracy“. Eine maßlos übertriebene und alberne Satire über eine Dystopie, in der die Menschen derart verblödet sind, dass sie ihre Felder mit einem Energiedrink gießen, hergestellt von einem globalen Monopolkonzern, in Folge dessen Ernteeinbrüche eine hungernde Bevölkerung hinterlassen. Der Präsident des Landes weiß es auch nicht besser, bis zwei aus der Vergangenheit angereiste normale Bürger erklären, dass das mit Wasser viel besser funktioniert.

Der Film endet irgendwann mit so etwas wie einem Happy End. Aber wie sieht es in der Realität aus? Ganz abgesehen davon was entweder Trump oder Clinton anrichten. Wo bewegt sich die Gesellschaft als Ganzes hin? Ist die US Wahl Zeichen eines Trends, der auch in Deutschland stattfindet? Steht uns Trump oder Clinton noch bevor? Und wenn ja, was kommt danach?

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: