Du, Emmanuel Macron!

Foto: Regierung Frankreich (CC BY-SA 3.0 FR)

Jetzt hast du es also geschafft, du bist französischer Präsident! Einer, den sich scheinbar alle gewünscht haben. Du bist der neue Hoffnungsschimmer, der die EU aus ihrer Identitätskrise führen soll. Jetzt hast du es Le Pen und den ganzen Europagegnern aber mal richtig gezeigt. Denn mit deinen 24% im ersten Wahlhang hast du Le Pen mit ihren lächerlichen 21,3% weit hinter dir gelassen.

Du bist Investmentbanker und konntest auf die breite finanzielle Unterstützung deiner Branche setzen und hattest für deine politischen Pläne natürlich Rückendeckung von Merkel und Juncker. Du warst Berater deines Vor-Vorgängers Sarkozy und stellvertretender Generalsekretär und Wirtschaftsminister deines Vorgängers Hollande. In deiner Zeit als Berater der Sarkozy Regierung, lerntest du auch den Chef von Nestlé kennen. Die Firma, die den durstenden Afrikanern das Wasser abzapft, um es hier sündhaft teuer in Plastikflaschen abgefüllt weiter zu verkaufen. Damals räumtest du ordentlich ab, als du eine Nestlé Konzernübernahme mit abwickeltest. Du warst dabei als letztes Jahr die neue Arbeitsmarktreform per Dekret beschlossen wurde, weil dafür eine parlamentarische Mehrheit fehlte. Du hast angekündigt 120.000 öffentliche Stellen zu streichen, denn es muss gespart werden. Gleichzeitig bist du aber für mehr Rüstungsausgaben. Und natürlich willst du mit den militärischen Interventionen fortfahren und hast dazu auch deine Treue zur NATO erklärt.

La monnaie, en marche!

Doch das hat bei der Wahl alles keine Rolle gespielt. Denn du warst für alle bloß der parteilose und unabhängige Europa-Befürworter. Hört sich doch toll an, oder? Du warst der, der alleine deshalb gewinnen musste, weil die Gegnerin Le Pen hieß. Du bist der Mann der extremen Mitte. Und weiter von den politischen Rändern als in der extremen Mitte kann man ja wirklich nicht entfernt sein, nicht wahr?

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, die EU zu retten. Hoffentlich erkennst du, warum die EU dabei ist, auseinanderzufallen. Warum Le Pen von Wahl zu Wahl stärker wird. Warum die Menschen für den Brexit stimmten. Warum sie Trump wählten. Ein kleiner Tipp: In den Gebieten, wo in der Stichwahl Le Pen siegte, liegt die Arbeitslosigkeit deutlich über dem ohnehin schon hohen Durchschnitt. Ob das Zufall ist?

Doch ich bezweifle, dass sich der politische Wind in Frankreich drehen wird. Du müsstest vermutlich fast all deine Überzeugungen über Bord werfen, um die Sparpolitik zu beenden und mehr in die Sozialsysteme zu stecken. Du müsstest schon richtig Eier in der Hose haben, um von Deutschland zu fordern seinen Exportüberschuss abzubauen und höhere Löhne zu bezahlen. Denn genau das wäre ratsam, wenn man was an der hohen Arbeitslosigkeit in Frankreich ändern wollte. Aber immerhin: Du sagtest, dass man den Leuten zuhören müsse, weil sie sehr wütend und ungeduldig seien und, dass die Probleme der EU nicht mehr nachhaltig seien.

Also bleibt mir nichts als zu hoffen und nochmals zu gratulieren. Deinem Volk dazu zu gratulieren, dass es mit 66% einen Investmentbanker zum Präsidenten gemacht hat. Im zweiten Wahlgang hattest du mehr als doppelt so viele Stimmen wie im ersten. Du wurdest also von zusätzlich zwölf Millionen Menschen gewählt, die nicht unbedingt für dich, aber letztendlich gegen Le Pen sind und lieber das geringere Übel wählten. Ein bekanntes Muster, das sich hoffentlich nicht derart fortsetzen wird, dass das geringste Übel immer übler wird. Denn dann sieht es irgendwann ziemlich übel aus.

Chapeau!

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: