G20 – Alles wie gewohnt

Foto: Ivan Bandura (CC BY 2.0)

Ihr fragt euch alle sicherlich, was da gerade in Hamburg abgeht. Klar, wenn irgendwo Unruhen ausbrechen, möchte man immer sofort wissen, wer denn der Unruhestifter ist, damit man auch möglichst schnell mit der Moralkeule auf entweder die Aktivisten oder die Polizei eindreschen kann – je nachdem, welcher politischen Gesinnung man sich zugehörig fühlt. Die eine Partei sucht die Schuld bei linksradikalen Gewalttätern und fordert ein hartes Durchgreifen des Rechtsstaats. Man solle das linke Gesindel da endlich mal entfernen. Die Gegenseite sieht die Schuld indes natürlich bei der Polizei und verurteilt ihr Vorgehen. Die Polizei würde die Eskalation provozieren, die Grundrechte mit Füßen treten und die Vermummten nur als Vorwand nehmen, um die Proteste gewaltsam zerschlagen zu können. Je nach Perspektive – oder eher zutreffend, je nach Weltanschauung – kommt jeder zu einem anderen Ergebnis, wie man das Chaos dort einzuordnen hat.

Dabei weiß eigentlich jeder, dass es selbst bei einem Streit zwischen zwei Menschen oftmals schon schwer ist, den Aggressor ausfindig zu machen. Wie kann also in einer Situation, die um ein Vielfaches komplexer ist, so schnell zu einem so scharfen Urteil kommen, dass alle Schuld entweder bei einer oder der anderen Partei sucht?

Es gibt gewaltbereite Linksautonome genauso wie Eskalationspotential seitens der Polizei. So wurde der Einsatzleiter der Hamburger Polizei schon des Öfteren wegen Verstoßes gegen geltendes Recht verurteilt. Die Hamburger Polizei ist also durchaus für ihre harte Linie bekannt.

Die Proteste mal etwas differenzierter zu betrachten und sich mit seiner “Meinung” mal etwas zurückzuhalten, bevor man nicht wenigstens versucht hat, das Ganze aus mehreren Perspektiven zu betrachten, fällt den meisten wohl nicht leicht.

Ganz im Gegenteil.

Wo immer verschiedenen Sichtweisen in einer so emotional aufgeladenen Situation aufeinander treffen, gibt es in den Kommentarspalten keinen Halt mehr. Am besten stellt man dies wie immer bei Beiträgen satirischer Art fest. Der Postillon titelte: “Zur Deeskalation: Hamburger Polizei fährt Atomrakete auf”. Sekunden später zogen die Ersten wieder die imaginäre “Grenze”, die jetzt überschritten sei. Die Lage sei zu ernst, zu heikel, als dass man darüber jetzt Witze machen sollte.

Also alles wie gewohnt. Der Mensch ist offensichtlich nicht dafür gemacht, in brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren. Erst recht nicht dann, wenn jede Menge Ideologie im Spiel ist. Je chaotischer eine Situation, desto eher sind wir bereit, den einen Schuldigen dafür zu akzeptieren.

Die ganze Hysterie lässt sich am besten mit Wort “Stillstand” beschreiben. Denn alles passiert wieder nach den selben Mustern wie 2015, als die Eröffnung der EZB Zentrale in Frankfurt mit Protesten und brennenden Autos überschattet wurde. Ein politisch bedeutsamen Ereignis, das im Chaos untergeht und so das Wesentliche unter den Teppich gekehrt wird. Der G20 Gipfel.

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